Am Hundefenster – ein Hundegedicht

Am Hundefenster
Sieh mit mir in den Morgen!
Wir sehen zusammen.
Ich bin dein Auge, du bist mein Verstand.
Wir schauen durch Regenperlen in den Wolkenzement,
schneiden fette Tortenstücke aus ihm heraus.
Wir beobachten nasse Vögel im Morgengrauen.
Schau! Ein Auto mit traurigen Lichteraugen.

Sieh mit mir in den Mittag!
Wir sehen zusammen.
Ich liege neben dir, du bist mein Kopfgedankenbett.
Wir träumen Welten zusammen
und besegeln die Ozeane.
Laß uns vor Anker gehen!
Wir navigieren auf unserer Traumseekarte und erobern unbekannte Inseln.
Schau! Laufende Kinderbeinchen hinterm Heckenrosenbusch!

Sieh mit mir in den Abend!
Wir sehen zusammen.
Ich küsse deinen Kopf, du meine Hand.
Wir schwimmen hinaus in das Himmelsmeer, lass uns darin ertrinken!
Wir sind Flugzeuge, immer auf der Reise
und ziehen Kondensstreifenlinien mit unbekanntem Ziel.
Schau! Zinnoberroter Sonnenuntergang.

Sieh mit mir in die Nacht!
Wir sehen zusammen.
Ich streichele deinen Rücken, du siehst mich an.
Wir jagen Orions Bilder. Da! Dort ist dein Stern!
Wollen wir ihn herunterholen?
Satellitenbahnen werden wir beide eh nie begreifen.
Schau! Dein Funkenwunsch ist vorbei.

Ich sehe mit dir durch die Welt,
nur mit dir teile ich diese Zeit. Du bist mein bester Freund.
Schau! Du und ich.
Wir spiegeln uns im Fenster für alle Ewigkeit.

– Andreas von Baudissin